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Rückblick: 5. Interdisziplinäres Forum – Tiefgreifende Energieeffizienzmaßnahmen

02.12.2025
Bild vom Familienhaus St. Michael der Caritas Vorarlberg mit einem Baugerüst als Beispiel für tiefgreifende Energieeffizienzmaßnahmen.

Das kea Forum am 2.12.2025 stand im Zeichen eines dringlichen Handlungsbedarfs: Um Österreichs Energie-Einsparziele zu erreichen und gleichzeitig Energiearmut nachhaltig zu verringern, braucht es tiefgreifende Energieeffizienz-Maßnahmen – insbesondere für vulnerable Haushalte. Im Zentrum steht dabei die thermische Sanierung, die nicht nur Energiekosten senkt, sondern auch Wohnkomfort und Lebensqualität erhöht. Das Forum bot einen Blick auf aktuelle Herausforderungen und erste erfolgreiche Schritte.

Energieeffizienz – das Fundament im Kampf gegen Energiearmut

Zum Auftakt erläuterte Caroline Nwafor (kea), warum Energieeffizienz eine zentrale Rolle in der Energiearmutsbekämpfung spielt. Vor allem die thermische Sanierung von besonders energie-ineffizienten Wohngebäuden müsse forciert werden. Auch die EU-Kommission stellt in ihren Empfehlungen fest, dass strukturelle Maßnahmen wie Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Kampf gegen Energiearmut Vorrang genießen sollten. Studien zeigen, dass eine Heizungsumstellung ohne vorherige thermische Sanierung gesamtwirtschaftlich und auch direkt in den jeweiligen Haushalten deutlich höhere Kosten verursachen kann.

Handlungsbedarf für tiefgreifende Maßnahmen

Ein neuer Gesamtindikator für Energiearmut, vorgestellt von Alexandra Wegscheider-Pichler (Statistik Austria), ermöglicht es erstmals, verschiedene Facetten von Energiearmut in einer einzigen Kennzahl abzubilden. Demnach waren 2024 etwa 12,5% der Haushalte in Österreich von Energiearmut betroffen – über 500.000 Haushalte waren also nicht in der Lage, ihre Wohnung angemessen warmzuhalten, hatten Zahlungsrückstände bei Wohnnebenkosten, oder waren von besonders hohen Energieausgaben oder Wohnungsmängeln bei gleichzeitig niedrigem Einkommen betroffen.

Altan Sahin und Elisabeth Böck (Österreichische Energieagentur) zeigten in ihrem Vortrag, welche Maßnahmen bereits gesetzt werden und dass Österreich seine Energieeffizienz-Ziele bei energiearmen Haushalten derzeit deutlich verfehlt. Sie betonten, dass zur Zielerreichung strukturelle Maßnahmen notwendig seien. Auch die Notwendigkeit einer verbesserten Datenerfassung und -übermittlung in bestehenden Programmen des Bundes und der Länder wurde thematisiert.

Praxis im Fokus – erste Erfolge und Lernerfahrungen

Thermische Sanierungen bieten die größten Potenziale, um die geschilderten Herausforderungen zu lösen. Aus diesem Grund widmete sich der zweite Teil der Veranstaltung konkreten Beispielen aus der Praxis, bei denen die Verbesserung der Energieeffizienz für vulnerable Gruppen im Fokus stand.

  • Simone Skalicki (Amt der Steiermärkischen Landesregierung) gewährte Einblicke in die Sonderförderung “Sanieren für Alle”, die von September bis Dezember 2024 verfügbar war und seitdem verschiedene Einzelmaßnahmen (z.B. den Tausch von Fenster und Außentüren oder die Dämmung der obersten Geschoßdecke) für über 50 Haushalte mit geringem Einkommen erfolgreich fördern konnte. Ihr Beitrag zeigte dabei auch eindrücklich, wie herausfordernd es in der Verwaltungspraxis sein kann, leicht zugängliche und langfristig vorhandene Förderstrukturen zu etablieren.
  • Michael Natter (Caritas Vorarlberg) berichtete über die Sanierung des Familienhaus St. Michael, das bis zu 18 Familien mit Kindern in Not ein Zuhause auf Zeit bietet. Er betonte, dass die Förderung “klimafitte Gebäude für Schutzbedürftige” für das Zustandekommen des Sanierungsprojekts essenziell war. Zur Umsetzung des komplexen Vorhabens war die Begleitung von Expert:innen erforderlich, die mit den Abrechnungsprozedere der Förderabwicklungsstelle vertraut sind.
  • Wie wichtig diese Förderung für das Realisieren von Sanierungsprojekten war, bestätigt auch Saman Zandi (Gebäude- und Baumanagement Graz GmbH). Er teilte Erfahrungen aus der erfolgreichen thermischen Sanierung zweier Wohnhäuser des Sozialamtes der Stadt Graz für Frauen mit Kindern sowie Männer in Notlagen. Die umfassende thermische Sanierung inkl. Fenstertausch und Fassadenneugestaltung konnte dank der finanziellen Unterstützung durch Bundesfördermittel umgesetzt werden und führte neben einer Steigerung der Energieeffizienz auch zu mehr Wohnqualität.

Fazit und Ausblick

Das Forum machte deutlich: Energieeffizienz ist ein zentraler Hebel im Kampf gegen Energiearmut. Gleichzeitig gibt es viele Herausforderungen: einerseits die unzureichende Datenlage, andererseits fehlende Maßnahmen und Förderstrukturen. Doch die präsentierten Erkenntnisse und Projekte zeigen auch: Werden Maßnahmen zielgerichtet gesetzt und niederschwellig gestaltet, können thermische Sanierungen realisiert werden und zu echten Verbesserungen führen.